Andreas Baum: Falken klauen

Sie kreisten hoch oben, weit über ihm im Nebel. Sie riefen sich, melodisch und hell. Nicht klagend, eher lockend, jubilierend, und er bereute es, den Schrei der Falken den Grenzschützern gegenüber mit dem Gackern von Hühnern verglichen zu haben. Sicher würden sie ihn jetzt für einen Lügner halten und umkehren, um ihn weiter zu verhören.Continue reading “Andreas Baum: Falken klauen”

Klaus Ungerer: Wir sagen einfach alles, wovor wir Angst haben

Dann sah sie etwas auf seiner Oberlippe blitzen oder tat jedenfalls so. Sie hob ihre Hand an seine Lippe, er beugte sich zu ihr runter. Dann küsste sie ihn. So fing alles an. Das war ein Spiel, natürlich. Aber sie hätte es nicht mit jedem gespielt. Die Liebe in Berlin: Tim und Nuna. Nuna undContinue reading “Klaus Ungerer: Wir sagen einfach alles, wovor wir Angst haben”

Kurt Tucholsky: Rheinsberg

Leicht und schnell rollte der Wagen durch die grüne Allee.„Wolfgang?“„Claire?“„Merks du nichs?“„Wie bitte?“„Obs du nichs merks?“„Nein.“„Na, aber süh mir mal an!“„Bei Gott, nichts. Zuckt die Achseln.“„Du musst das nicht mitsprechen, was in Klammern steht. Zuckt die Achseln, das steht in Klammern, weißt du?“ Claire und Wolfgang, verliebte studierende Großstadtpflanzen, fahren von Berlin aufs Land. NachContinue reading “Kurt Tucholsky: Rheinsberg”

Andreas Baum: Hier bist du sicher

Spätestens um neun, wenn die Menschen ihrer Wege gehen, und mit ihnen ihre Karren, die Esel und Pferde, die überfüllten Mikrobusse und Taxis, dann übernimmt der Staub die Macht. Vom Wind emporgehoben steht er in Flaschenhälsen über der Stadt. Herat 2004: Nach den Unruhen haben alle Ausländer die Stadt verlassen. Nur ein deutscher Lehrer istContinue reading “Andreas Baum: Hier bist du sicher”

Klaus Ungerer: Das Fehlen

Schreib halt einen Liebesroman. Hat Alina gesagt, die wundervolle Alina, Regentropfen im Gesicht. Und war fort. Seitdem wandert er durch Berlin. Ruhelos. Kastanienallee rauf, Kastanienallee runter. Über den Falkplatz. Über den Schwedter Steg. Und abwärts. Dorthin, wo es dunkel wird… Die Stadt singt ihm ihr Lied, das von Einsamkeit handelt. … Ein sehnsüchtiger Flaneur. –Continue reading “Klaus Ungerer: Das Fehlen”

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